Pizza im Briefkasten

Letzte Woche war es endlich soweit. Zumindest für einen Bekannten für uns, Reinhold, den wir gerade zu seinem Büro in die Schwetzingerstadt (Stadtteil von Mannheim) begleiteten. Wir liefen auf den Eingang des Gebäudes, ein Wohn- und Geschäftshaus, zu, als er zusammenzuckte und uns nervös flüsternd etwas erklärte. Seit Jahren habe er in seinem Briefkasten (eine Briefkastenanlage zur Straße hin) täglich Werbung für Pizza, Umzugshelfer, Sonnenstudios usw., obwohl ein wirklich unübersehbarer roter Aufkleber um die Unterlassung dessen bittet, nein, es sogar verbietet. Im deutschen Gesetz ist dies übrigens klar geregelt. Wir schauten daraufhin zu dritt in Richtung Briefkastenanlage. Eine Frau um die 45 steckte dort tatsächlich in jeden Briefkasten einen bunten Werbezettel – in jeden, also auch in die Schlitze mit dem Verbotshinweis.

Wir liefen, von ihr unbemerkt über die Straße und sprachen Sie in genau dem Augenblick an, als sie eine ihrer abertausend Pizza-Speisekarten in den Briefkasten von unserem lieben Reinhold stecken wollte. „Was machen Sie da?“ entfuhr es ihm. Die Frau erschrak und er erklärte ihr umgehend, dass es verboten sei, in die speziell markierten Briefkästen … usw. Die Frau unterbrach seinen Monolog ängstlich und in einem sehr schlechten Deutsch mit nordosteuropäischem Akzent. Sie erklärte, dass ihr Chef dies ausdrücklich so verlange. Reinhold sagte ihr, nun langsamer sprechend, dass er dies dem Arbeitsamt sagen würde. Gut geraten lieber Reinhold, denn die Frau erschrak noch fürchterlicher. Sie bat inständig darum eben dies nicht zu zu tun, da man ihr dort sonst das Geld (Hartz4 bzw. ALG2) streichen würde. Wir hatten also eine Harzt4-Frau vor uns, die auf Geheiß des Chefs in zweierlei Hinsicht illegale Handlungen beging. Erstens hatte der Chef sie wohl nicht angemeldet. Das ersahen wir aus ihrer mittlerweile unübersehbaren Angst. Und zweitens stopfte sie ihre Pizza-Botschaften wissentlich auch in „verbotene“ Briefkästen. Als Reinhold der Frau nun erklärte, dass wir dies der Polizei melden müssten, wurde sie noch blasser. Sie bat inständig um Verzeihung und versprach noch dies nie wieder zu tun. Sie sprach, nach Verständnis suchend und völlig verzweifelt auf uns ein und bemerkte nicht einmal, dass sie in ihrer Muttersprache redete. Wir stoppten Reinhold, versicherten der völlig verzweifelten Frau, dass wir weder mit Polizei, noch mit sonst jemandem reden würden und lenkten Reinhold von ihr ab.

Abgesehen davon, dass diese Frau schwarz arbeitet und der Gehweg vor dem Gebäude mit seinen ca. 40 Briefkästen (diese werden von außen geleert) voller Pizza-Zettel liegt – was sogar in der Schwetzingerstadt einen enormen Schandfleck darstellt – hegten wir gegen die Frau weniger Groll, als gegen ihren ignoranten Chef, den Pizzabäcker. Soll er doch nach Neapel gehen. Dort sind die Straßen laut Tagesschau sowieso voller Müll.

Wir lasen nun zu dritt in seiner Speisekarte. „Pasta di Napoli“ und „Original italienische Pizza im Steinofen gebaken“ usw. Über die Schreibfehler mussten wir nicht lachen. Allerdings über den Namen des Inhabers, denn es war weder ein deutscher und auf jeden Fall auch kein italienischer Name. Bei dem Namen denkt man in Zusammenhang mit Hungergefühlen eher an die Bestellung eines guten Chicken Tandoori.

Eine Bitte: Mögen uns alle italienisch-neapolitanischen Pizzabäcker unsere Vorurteile verzeihen.

Ein Wunsch: Möge Herrn Singh und alle anderen Briefkasten-Terroristen die Pizza im Halse stecken bleiben.

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2 Kommentare zu „Pizza im Briefkasten“

  1. Waschmaschine sagt:

    Danke, danke für diesen Beitrag. Das musste wirklich mal geschreiben sein. Ich bin eben über Google hier gelandet weil ich etwas in der Schwetzingerstadt suchte. Ich wohne hier in der Heinrich-Lanz-Straße beim Tattersall und habe trotz entsprechender Aufkleber TÄGLICH sowohl im privaten, als auch im Firmenbriefkasten diese Pizzazettel!!!
    Das ist wirklich unverschämt von diesen Leuten. Heute war es ein Pizzaservice Milano aus Neckarau. Über die Schreibfehler und Namen kann ich allerdings schon lange nicht mehr lachen.
    Liebe Grüße und macht weiter so.

  2. Superhelmut sagt:

    Ich bedanke mich ebenfalls für das Berichten über ignorante Mitmenschen und ihre Wurfsendungen. Ich nenne hier gerne mal Namen. Ich hatte (ebenfalls in der Schwetzingerstadt Mannheim) innerhalb nur einer Woche trotz Hinweis am Briefkasten von folgenden Leuten Werbung im Briefkasten: Skyfood (Pizzadienst), True Love (Brautmoden), Tai Chi (Sportverein), Da Rosario (Pizzadienst) und als Sahnehäubchen eine mehrseitige Einladung zum Bibelseminar eines koreanischen Pastors.
    Helmut

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