Gestern sahen wir im Fernsehen einen Bericht über „Senioren“, die Schülern Nachhilfe gaben. Innerhalb einer Sekunde stand der Entschluss fest, umschalten. Wäre da nicht ein Satz gefallen, der typisch für diese Art der Berichterstattung ist, „sinnvolle Nutzung ihrer Zeit“:
Glaubt denn wirklich die ganze Welt, dass jeder Senior und jede Seniorin von Langeweile zerfressen und an den Krückstock geklammert alleine den ganzen Tag vor dem heimischen Schwarzweißfernseher sitzt. Schon das Wort Senioren immer nur im Zusammenhang mit Bildern von gebrechlichen Achtzigjährigen zu verwenden, die knittrig aus ihrem Rollstuhl lächeln, während sie eine übergewichtige Pflegerin vor dem Kamerateam hin und her schiebt. Da beginnt man doch zwangsläufig am journalistischen Auftrag der Sender zu zweifeln. Nein, nicht an den Privaten. Die sind mit dem Anheben des Bildungsniveaus per Sternchensuche beschäftigt. Wir reden hier von den Öffentlich Rechtlichen, die wir allmonatlich per GEZ-Kopfsteuer am Leben erhalten. Ein Senior ist nach deren Definition wohl nur noch ein weißhaariges, bewegungsbeschränktes Wesen ohne Lebensinhalt. Wer ist dann aber die Gruppe von Menschen, für die so eifrig die ganzen Garten-Ratgeber und Wandersendungen produziert werden. Diese Menschen werden – mehr oder weniger schmeichelhaft – vitale Ältere oder auch Generation-60plus genannt.
Hier beißt sich die Bildungs-Katze in den Schwanz. Der Begriff Senioren hat zwar aus der Vergangenheit rührend noch den Hauch von Rentner, lahm und langweilig. Aber genau hier müsste des Volkes Pay-TV (GEZ!) doch ansetzen und seinen Bildungsauftrag erfüllen und das Bild der Senioren der Realität anpassen. Jetzt mag man denken, was ist ein Senior und ab wann bin ich auch einer. Schauen wir doch mal in die Werbewirtschaft. Hier gibt es Seniorenmessen und Partnerportale mit dem Namen 50plus. Die Stadt Mannheim verlinkt auf ihrer Internetseite unter dem Suchbegriff „Senioren“ sogar auf ein informativ fragliche “Homepage für die Generation ab Ende 40“!!
Kurzum, wir Senioren sind Menschen in der zweiten Lebenshälfte und nicht prefinale Lebensformen, deren Existenzberechtigung nur von den Taten ihrer beruflichen Vergangenheit aufrechterhalten wird.
Na der Autor hat aber schlechte Laune.
Hier wird mal ein wahres Wort geschrieben. Weiter so!
Ja, als wenn wir alle bekloppt wären und nichts zu tun hätten… Ich engagiere mich bei Communities und auch im “echten Leben” Nach Renteneintritt lassen wir uns nicht einfach so aussortieren. Ich hab eine zweite Heimat auf http://www.seniflex.de gefunden. Das ist eine Community für Leute ab 50 (uns) und da kann man über Regionen lesen und schreiben. Ne feine Sache, wie ich finde. LG Klaus